Mein erfolgreicher Weg zum eigenen Buch

Schon länger habe ich mit dem Gedanken gespielt, ein eigenes Buch zu veröffentlichen. Ideen schwirrten genug in meinem Kopf herum: Wäre doch blöd, wenn sie da blieben.

Bevor ich meine (nicht abgeschlossene) Reise aber beschreiben möchte vorweg, was ich unter “erfolgreich” verstehe:

Erfolgreich heißt:
Ich halte mein Buch in den Händen
Wenn Du jetzt also in der Hoffnung hier gelandet bist, etwas darüber zu erfahren, wie man einen Bestseller schreibt, stinkreich wird und von Groupies umlagert: Sorry. Kann ich nicht mit dienen. Hätte man aber auch drauf kommen können, oder hast Du meinen Namen schon mal in den Spiegel Beststellerlisten gefunden?

Das hier ist also lediglich ein Erfahrungsbericht und ganz sicher keine Empfehlung. Es sei denn, Du lernst aus meinen Fehlern.

Die Geschichte

Anfangs wollte ich einfach nur eine Geschichte über einen Typen auf St. Pauli schreiben. Es sollte gar nichts großartiges passieren, alles irgendwie so hinplätschern. Herr Lehmann war hier mein Vorbild. Das hat etwa drei Kapitel lang funktioniert. Dann hat sich die Geschichte ganz von selbst in einen Kriminalroman gewandelt. Ich weiß nicht, was das über mich aussagt, aber so ist es nun mal passiert. Mehrmals haben meine Protagonisten Sachen gemacht, die ich weder erwartet, noch gewollt hatte.

Die Technik und die Muße

Ich habe die wesentlichen Teile meines Romans auf dem Weg zur Arbeit, in der U1 in Hamburg geschrieben. Und zwar auf einen Tablet. Damit sind es wohl zwei Weltpremieren:

    1. Der erste HVV – Roman der Welt.
    1. Der erste Tablet-Roman der Welt.

Gleich zwei Superlative, die man ja zur Werbung nutzen könnte…

Die halbstündigen Happen, ebenso wie das Schreiben auf dem Tablet hatte zwei Nachteile: Die kurzen Schreibintervalle haben mich immer wieder aus der Geschichte gerissen und das Schreiben auf dem Tablet war nicht unbedingt die beste Voraussetzung für orthografisch korrekte Texte.

Mittlerweile empfinde ich dies aber als Vorteil: Es zwang mich ständig, den Text in kurzen Intervallen Korrektur zu lesen und zu korrigieren. Ich bin davon überzeugt, dass dies die Qualität verbessert hat.

Das Abenteuer Crowdfunding

Crowdfunding ist eine ziemlich coole Sache und ich bin wirklich ein riesen Fan und aktiver Unterstützer. Was lag also näher als meinen Roman per Crowdfunding zu finanzieren? Also habe ich ein Video erstellt, genau erläutert, worum es in dem Buch geht und das Projekt bereitgestellt. Anfangs ging es ganz gut los, doch dann stagnierte die Unterstützung. Im Endeffekt sind knapp 600 Euro zusammengekommen. Das reicht leider bei weitem nicht, um ein Lektorat zu bezahlen. Und selbst für ein Korrektorat wird es eng. Ich will gar nicht bestreiten, dass ich dort auch wohl handwerkliche Fehler gemacht habe, aber ich sehe hier auch ein strukturelles Problem: Die meisten Crowdfunding-Projekte, die ich kenne (und auch teilweise unterstützt habe) befinden sich auf internationalen Plattformen. Meistens ist es auch kein Hindernis, dass etwa die coole Smartwatch oder die Android-Videospielkonsole auf englisch präsentiert wird.

Bei Literatur ist das etwas schwieriger. Mein Buch auf einer amerikanischen Plattform anzubieten macht wenig Sinn, sind die Leser doch in erster Linie der deutschen Sprache mächtig. Da aber sich alle auf den internationalen Märkten tummeln, ist es unglaublich schwer, jemanden für deutsche Crowdfunding-Anbieter zu gewinnen. Obwohl die Mitarbeiter von Startnext einen wirklich guten Job machen, war es für mich fast unmöglich, Leute zu finden, die sich dort auch nur registrieren. Insbesondere die erste Phase, in der man nur “Likes” sammeln muss war fast eine größere Hürde als die eigentliche Finanzierung. Ich habe oft gehört: “Warum soll ich mich denn dafür anmelden”? Heute gibt man seine Informationen eben nicht mehr unkritisch Preis. Und um ehrlich zu sein: Hätte ich nicht selbst ein Projekt auf der Plattform, ich hätte mich selbst dort nie angemeldet.

Augen zu und durch

Alstervergnügen - erste FassungCover – erste Fassung

Nachdem das Crowdfunding leider gescheitert ist, habe ich mich nach einiger Zeit dennoch entschieden, mein Buch zu veröffentlichen. Denn immerhin waren teils wildfremde Menschen bereit, mir 600 Euro für das Buch zu geben.  Und: Um ehrlich zu sein: Scheiß auf die Kohle! Ich wollte das Buch vor allem in den Händen halten. Auf ein Lektorat habe ich am Ende verzichtet, weil ich schlicht nicht tausende Euros zur Verfügung habe. Das Korrektorat konnte ich zum Glück durch Profis im Bekanntenkreis erledigen lassen.

Da ich sozial recht gut verzahnt bin konnte ich mir auch schon erste Reaktionen zu den Online veröffentlichten Probekapiteln und dem Cover einholen. Während die Resonanz auf den Inhalt durchweg positiv war, war die Reaktion auf das Cover für mich überraschend: Ein Großteil fand den Umschlag deprimierend und ging eher von einem Drama, als von einer Komödie aus. Ich bin hier meinen “Kreislingen” extrem dankbar, denn dieses Feedback war sehr wertvoll. Ich selbst wäre nie auf den Gedanken gekommen, dass das Cover solche Assoziationen wecken könnte. Apropos “Kreislinge”: Meine sozialen Online-Kontakte spielen sich primär bei Google+ ab. Da ist sicher weniger los als etwa bei Facebook (auch wenn Google+ sicher keine “Geisterstadt” ist, wie gerne behauptet wird), aber die Kontakte sind in meinen Augen wertvoller.

Bei Facebook stehe ich in erster Linie mit den Leuten in Kontakt, die ich im wahren Leben kenne. Die Googler kenne ich zum größten Teil nicht persönlich. Einige habe ich mittlerweile auch mal “in Echt” getroffen, aber zunächst sind es Fremde, die meistens ähnliche Interessen teilen. Persönlich empfinde ich das als Gewinn, als Autor erst Recht: Da ich eben keine so enge persönliche Beziehung zu meinen Kreislingen habe, ist das Feedback ehrlicher. Im direkten Freundeskreis hat niemand das Cover negativ empfunden. Vielleicht auch einfach aufgrund der Tatsache, dass es eine ziemlich lustige Aktion war, an der Alster Fotos mit einem Koffer voll “Koks” zu machen.

Das Auge liest mit

Ich habe dann lange nach einem vernünftigen Cover gesucht. Am Ende bin ich – eher durch Zufall – auf eine Zeichnung gestoßen, die bis heute auf dem Cover zu sehen ist und “Wie Arsch auf Eimer” passt. Es sieht aus, als hätte ich dem Künstler den Inhalt beschrieben, so perfekt passt das Bild. Für die Rechte habe ich etwa 100 Euro ausgegeben. Auch nicht wenig Geld, aber der Künstler hat es verdient. Und ich denke tatsächlich, dass das Cover eine Menge ausmacht. Es mag arrogant erscheinen, aber ich finde die meisten Self-Publishing-Bücher sehen von Weitem nach “selbst gemacht” aus und ich rede mir ein, dass dies bei meinem Buch etwas anderes ist.

Verlage

Ich habe mein Buch bei einigen Verlagen angeboten. Primär natürlich bei den üblichen, großen Verdächtigen. Aber auch eine Handvoll Kleinverlage waren darunter. Die meisten haben sich immerhin die Mühe gemacht, eine Absage zu schicken, nur wenige eine Begründung, die eigentlich immer “Passt gerade nicht in unser Sortiment” lautete. Natürlich besteht immer auch die Möglichkeit, dass dies nur die freundliche Variante von “Dein Buch ist Scheiße” ist, aber ich glaube tatsächlich, dass dies ein Problem darstellt. Lektoren der Verlage müssten relativ große Mengen an Büchern sortieren und bewerten. Offensichtlich fällt da alles aus dem Raster, was sich nicht in die richtige, verkaufbare Kategorie einsortieren lässt. Dies ist bei meinem Roman ein Problem, denn er ist relativ einmalig. Das ist jetzt nicht Qualitativ gemeint, sondern tatsächlich vom Stil. Es ist eine Mischung aus Kriminalroman, Hamburg-Roman mit einer Prise Komödie und “Herr Lehmann”. Damit lässt es sich in keine Schublade packen. Dies ist jetzt keine Kritik, sondern nur eine Beobachtung. Und es ist ein generelles Problem, welches nicht nur die Verlage haben.

Ich habe die Geschichte auch “Qindie” angeboten, eine Art Qualitätssiegel für Selfpublisher. Die Jury arbeitet ehrenamtlich und entscheidet, welches Buch dieses Siegel verdient hat. Positiv hervorzuheben ist hier, dass man mir tatsächlich ausführlich mitgeteilt hat, warum mein Buch nicht in Frage kommt. Zusammenfassend gibt es zwei Gründe: Erstens kam mein Humor schlicht nicht bei den Juroren an und zweitens gefiel der Jury durchweg vor allem nicht das Verwenden von Fußnoten.
Wer Terry Pratchett liest, kennt das Stilmittel, über Fußnoten direkt mit dem Leser zu kommunizieren und so ein paar eigene Gags in dem Buch unterbringen zu können. Offensichtlich war das Genre Comedy/Fantasy der Jury völlig unbekannt. Um es klar zustellen: Dies soll keine Kritik sein, sondern nur das grundsätzliche Problem aufzeigen, dass durch teilweise notwendige, strukturierte Abläufe alles aus dem Raster fällt, was nicht ins Schema passt. Egal, ob Profis oder organisierte Amateure eine Bewertung abgeben müssen. Eine Lösung für dieses Problem habe ich leider auch nicht.

Die Veröffentlichung

Ich habe mich dann also in die Reihe der Selfpublisher eingereiht. Als ersten Schritt habe ich mein Buch als Hardcover veröffentlicht. Der Preis ist leider jenseits von Gut und Böse und hier musste ich zum ersten Mal erkennen, dass man mit Print on Demand kaum Preise anbieten kann, die mit Verlagspublikationen konkurrieren. Da die Hardcover-Ausgabe aber ohnehin für mein eigenes Bücherregal und für ein paar Geschenke an Freunde gedacht war, ist der Preis fast nebensächlich. Als Anbieter habe ich mich für Tredition entschieden. In Sachen Hardcover sind sie fast konkurrenzlos auf dem Markt.

Die einzige Chance, einen marktüblichen Preis anzubieten bietet ehrlicherweise ausschließlich Amazons Eigenmarke “Createspace“. Nur hier konnte ich mein 240-Seiten Paperback für unter 10 Euro anbieten. Das Erstellen ist einfach und auch sonst läuft alles recht professionell ab. Der Nachteil liegt auf der Hand: Das Buch ist ausschließlich bei Amazon erhältlich. Ein weitere Nachteil ist, dass es eine Ewigkeit dauern kann, Eigenexemplare zu bestellen, da dann die Bücher in den USA gedruckt und verschifft werden. Bestellungen bei Amazon sind übrigens deutlich schneller unterwegs.

Die reine Amazon-Verfügbarkeit ist natürlich ein großes Manko. Zum einen reduziert dies die mögliche Anzahl der Käufer, auch wenn der Großteil der Bücher wohl mittlerweile bei Amazon gekauft werden. Ich persönlich mag allerdings kleine Buchläden. Und mir wäre es deutlich lieber, der engagierte Buchprofi um die Ecke verdient ein paar Euro an meinen Büchern, als der amerikanische Riese. In meinem Fall gibt es noch ein weiteres Problem: Mein Buch hat einen klaren lokalen Bezug. Ich gehe davon aus, dass in Hamburger Buchhandlungen das Buch sehr gut funktionieren würde.

Das E-Book habe ich zeitgleich über XinXii eingestellt.  Auch hier funktionierte alles relativ problemlos. Das Buch muss allerdings im Epub-Format eingestellt werden. Ich habe mit der Vollversion von Jutah sehr einfach mein Word-Dokument umwandeln können.

Zweite Edition “Zu Fuß”

Cover Cover – Zu Fuß Edition

Nach einem knappen Monat, zwei positiven Bewertungen, etwa 50 verkauften Büchern und 10 E-Books habe ich mich entschieden eine weitere Version speziell für den Buchhandel zu veröffentlichen. Das Gesetz zur Buchpreisbindung verbietet es, das gleiche Buch einfach teurer im Buchhandel anzubieten. Also habe ich es “gepimpt”. Und zwar mit QR-Codes, die auf Google Maps verweisen und es so erlauben, dass man die Geschichte Live selbst erleben kann und so ganz nebenbei ein paar spannende Orte in Hamburg kennen lernt. Ich habe es zunächst bei einem weiteren Anbieter versucht, bin letztendlich aber wieder zu Tredition zurück gekehrt. Hier sind die Verträge am fairsten (Der Vertrag ist auf eine ISBN beschränkt, man bindet sich also nicht exklusiv) und auch sonst fand ich den Service wirklich super.

Die Bücher werden geprüft, es werden Pressemitteilungen veröffentlicht (die es auch in Google News schaffen) und auch sonst passt das Paket. Das Veröffentlichen ist hier etwas teurer, als bei einfachen Anbietern (149 Euro werden fällig), aber mein Empfinden ist, dass man im Print-on-Demand – Markt wirklich bekommt wofür man zahlt. Wer nichts ausgibt, bekommt auch nichts. Oder in anderen Worten: Ich habe es nicht bereut. Die Betreuung passt und die Buchqualität passt ebenfalls. Deshalb habe ich auch in Sachen e-Book keine Experimente mehr gemacht und auch diese Version von tredition verlegen lassen.

Werbung

Als Selfpublisher muss man sich natürlich um einiges selber kümmern. Ich habe ein günstiges Webtemplate bei “envato” gekauft und es mit Leben gefüllt. Dazu die Domain www.alstervergnügen.com reserviert. Ich habe eine handvoll guter Blogger angeschrieben, ob sie Interesse haben, mein Buch zu lesen. Ob und wann mein Buch besprochen wird: Darauf habe ich keinen Einfluss.

Derzeit liegen 10 Exemplare fertig zum Versand an ein paar lokale Zeitungen und Buchhandlungen. Mal schauen, ob das etwas bringt, oder die Buchhändler scheuen Selfpublisher wirklich wie der Teufel das Weihwasser, wie man an einigen Stellen liest.

Dazu habe ich ein paar Postkarten, Aufkleber, vor allem aber Lesezeichen drucken lassen, die ich in die selbst verschickten Bücher packe. Dann noch zwei Plakate in meiner Firma, die da glücklicherweise sehr positiv drauf reagiert hat. Kenn ich auch anders. Die Plakate haben vermutlich drei Leser ausgemacht :)

Zu guter Letzt habe ich bei Goodreads eine Verlosung gestartet. 10 Bücher werde ich dort verschenken. Es gibt keine Garantie, dass ich dafür etwas zurück bekomme, aber in der Regel schreiben mindestens die Hälfte der Leser eine Rezension. Es gibt keine Garantie, dass diese Rezension positiv ist. Aber das ist ein Risiko, dem man sich als Autor generell stellen muss. Lieber ein paar ehrliche, kritische Stimmen als gekaufte Bewertungen. Goodreads ist eigentlich eine US-Seite, aber hier tummeln sich auch reichlich deutsche Leser herum. Die deutsche Konkurrenz “Lovelybooks” kann man sich übrigens sparen. Hier ist man an Selfpublishern leider nicht wirklich interessiert. Ohne Lektorat und am besten noch einen großen Verlag im Hintergrund kann man nicht als Autor aufgenommen werden.

Aus- und Rückblick

Zurückblickend habe ich meiner Meinung nach einiges falsch gemacht, anderes aber auch wirklich richtig. Die Zeit und Arbeit für ein Crowdfunding würde ich mir mittlerweile sparen. Dafür sind die Erfolgsaussichten zu gering. Goodreads hätte ich auch früher entdecken würden. Wenn es ein zweites Buch geben sollte, werde ich dort vor der offiziellen Veröffentlichung Leser suchen. Meinen Print-on-Demand-Anbieter habe ich mittlerweile erfolgreich gefunden. Zukünftig würde ich mir weiteres Suchen bei anderen Konkurrenten sparen. Ob sich die Verkäufe verbessern werde ich wohl spätestens in einem Monat wissen. Für einen Bestseller ist mein Buch ohnehin zu speziell, aber es hat Spaß gemacht, das Buch zu schreiben. Und auch wenn einige Umwege dabei waren: Ich bereue auf keinen Fall, den Schritt gewagt zu haben. Vielleicht kommt ja auch noch etwas Geld durch VG Wort zurück. Ein echtes Plusgeschäft wird es wohl nicht, ich habe ca. 600 Euro investiert. Wenn ich den Betrag wieder verdiene, bin ich zufrieden. Und so Sachen wie Online zu lesen, wie jemand eine Passage aus dem eigenen Buch zitiert und darüber abfeiert: Das ist tatsächlich unbezahlbar.

Wer zu guter Letzt Kontakt mit mir aufnehmen möchte kann dies am Besten bei Google+ tun. Das Buch darf natürlich auch gerne gekauft werden :)