Logitechs "Smart-Hub"-Fernbedienungen: Lohnt sich der Umstieg?

Logitechs "Smart-Hub"-Fernbedienungen: Lohnt sich der Umstieg?

Zugegeben: So ganz neu sind die Fernbedienungen von Logitech mit dem Hub-System nicht mehr und wurden auch schon ausgiebigst von Techblogs getestet. Dennoch kann der Blick eines langjährigen Users ganz interessant sein. Denn viele meiner spezifischen Anforderungen habe ich bisher in anderen Tests nicht berücksichtigt gesehen.

Vorgeschichte

Meine Amazon Bestellhistorie verrät, dass ich seit Januar 2008 mit Harmony Fernbedienungen unterwegs bin. Anfangs mit der Harmony 785: Die Eierlegende Wollmilchsau mit vielen (sehr vielen Tasten), darunter farbige Tasten, einem Display für Aktionen und reiner Infrarotfunktion.
Leider gab die Fernbedienung bereits ein Jahr später den Geist auf. Erstattet wurde der Original-Verkaufspreis, so dass ich als Ersatz die etwas hochwertigere Harmony ONE nutzen konnte. Diese hatte ebenso viele Tasten, aber meiner Meinung nach eine deutlich bessere Anordung. Das LC Display zum Auswählen der Aktionen ist hier jetzt Touchfähig, dafür fehlen die Farbtasten.

Beide Fernbedienung machten ihre Aufgabe gleich gut. Das Touchdisplay der ONE führte aber hin und wieder zum "Vertipper", so dass ungewünschte Aktionen ausgeführt wurden. Irgendwann kann dann auch noch mal ein extra Adapter für die Playstation 3 dazu (für unverschämte 50 Euro), sowie ein sog. "Light Manager", um Funksteckdosen fernzusteuern.
Seit kurzem hat auch die FireTV Einzug gefunden, mittels eines USB-IR-Adapters auch bedienbar über die Fernbedienung. Leider nur mit sehr viel Fummelei (echte Nerdarbeit) und sehr unpräzise, so dass ich hier meist doch die Original-Bluetooth-Fernbedienung verwende.

Nachdem jetzt, nach gut sechs Jahren die One erste Verschleißerscheinungen aufweist (Die "Guide"-Taste geht nicht mehr), habe ich mir die "Smart"-Variante mit Hub gegönnt. Preislich mit etwa 80€ sogar 60€ unter dem damaligen Preis der Vorgänger.

Anforderungen

Die neue Fernbedienung soll natürlich erst einmal alles können, was die alte auch konnte: Lediglich der Light Manager ist nicht mehr im Einsatz. Ohne Light Manager hatte ich vier sog. "Aktionen" (z.B. Fernsehen). Die alten Fernbedienungen konnten theoretisch 12 Aktionen, die neue (über die Fernbedieunung) sechs, mehr über die App.
Folgende Aktionen sollte die neue also können:
1. Fernsehen
2. Musik über Stereoanlage
3. Daddeln (Playstation 3)
4. Daddeln (Playstation 4, konnte die alte Fernbedienung nicht)
5. FireTV inkl. XBMC(Kodi)-Bedienung

Sehr wichtig ist eine haptische Rückmeldung und Zahlentasten. Deshalb habe ich auch nicht die Touch-Variante gewählt, weil diese zwar ein Touchdisplay hat, aber keine Zahlen. Ich will eine Fernbedienung blind bedienen können. Deshalb sind für mich auch reine Apps keine Alternative.

Unterschiede

Der Hauptunterschied ist, dass die Hub-Variante eben über den Hub mit den Geräten kommuniziert. Dieser sollte für Infrarot-Geräte in Sichtweise stehen. Zusätzlich sind jetzt direkt auch Bluetooth-Geräte möglich. Neu ist auch die Software.
Die war in der alten Version eine totale Katastrophe, jetzt nur noch eine mittlere. Wirklich: So ganz toll ist das noch immer nicht. Aber auch nicht mehr ganz so furchtbar wie früher. Desweiteren ist die Fernbedienung eigentlich nur eine "Dreingabe".
Eigentlich "soll" über eine App bedient werden. Die ist ganz ordentlich, hat aber naturgemäß die genannten Nachteile. (Keine echten Tasten)

Nachteile

Auf den ersten Blick hätte ich gerne noch ein paar zusätzliche Tasten auf der Fernbedienung. Ich habe bisher Fernseher und Stereoanlage über die gleiche Fernbedienung in der Lautstärke verändert. Geht mit dieser auch (alle Tasten sind frei belegbar), aber vorher hatte ich halt zusätzliche "Hoch"-Runter-Knöpfe.
Ein weiterer Nachteil ist bei der displaylosen Variante, dass man kein Feedback bekommt, wenn eine Aktion abgeschlossen ist, ab wann nach wechseln einer Aktion also auf Tastendrücke reagiert wird.
Es gibt zwei weitere potentielle Nachteile, die bei mir aber nicht zum Tragen kommen: Es sind maximal sechs Aktionen möglich und man ist zwingend auf eine App angewiesen, wenn man Bluetooth-Geräte (FireTV, Playstation) verwenden möchte.
Leider wird die Fernbedienung mit einer Knopfzelle anstelle eines Akkus betrieben. Die soll angeblich laut Hersteller ein Jahr halten. Das war die alte Version doch besser ausgestattet.
Durch das Fehlen des Touchfeldes fehlen natürlich weitere Aktionen, die direkt auf der Fernbedienung genutzt werden können. Für solche "Exoten", die ich einmal im Jahr benötige wechsel ich dann aber gerne auf die App.

Vorteile

Eines der ganz klaren Vorteile ist die direkte Bluetooth-Unterstützung. Kein lästiges rumprobiere mehr. Nachdem die Geräte einmalig per App verbunden wurden klappt das Einwandfrei mit FireTV, PlayStation und Co. (Einrichtung getestet mit Android. Da das Pairing aber vom Hub geschieht und nicht vom Smartphone sollten die iPhone-Bluetooth-Inkompatibilitäten wohl keine Auswirkung haben).

Ein gewaltiger Vorteil, den ich so vorher gar nicht bedacht habe liegt an der Tatsache, dass die Fernbedienung nicht mehr direkt mit den Geräten kommuniziert, sondern zunächst per Funk an den Hub sendet. Bisher musste man bei den Aktionen mehrere Sekunden lang die Fernbedienung auf die Geräte richten, damit auch ja alle Infrarot-Signale korrekt ankommen. Das ist mit der Hub-Variante passé: Knopf drücken und irgendetwas anderes machen, oder auch die Fernbedienung direkt auf die Couch schmeißen. Für mich ein echter Konfort-Gewinn.
Das so ziemlich jede Taste doppelt belegt werden kann finde ich auch wirklich praktisch. So habe ich beispielsweise die Stumm-Taste (kurz) für den Fernseher verwendet. Drücke ich sie lange, wird stattdessen die Stereoanlage ein- oder ausgeschaltet.
Zusätzlich zur Harmony One gibt es noch den Vorteil, dass die farbigen Tasten wieder da sind. Gerade bei Smart-TVs wird ja beispielsweise die Mediathek und Filminformationen mit den Farbtasten aktiviert.

Fazit

Ich finde das Ding eine klare Verbesserung zu meiner alten Harmony One. Ich spiele sogar mit dem Gedanken, sämtliche Media-Hardware (Stereo, FireTV, etc.) außer dem Fernseher in das rückwärtige Zimmer zu verlegen, weil ich keine Sichtverbindung mehr benötige. So dass im Wohnzimmer nur noch der Fernseher hängt und vor allem nur noch wenige Kabel (Strom, HDMI) benötigt werden. Sähe gleich viel schicker aus als das Kabelchaos, dass ich derzeit kaum in den Griff bekomme.
Auch die Qualitätsanmutung gefällt mir ganz gut. Das Design ist etwas filigraner als bei der One, aber keineswegs schlechter.

Für mich persönlich ist die App allerdings nur ein Gimmick (auch wenn Logitech sich das wohl anders vorstellt), dass ich nur zur Einrichtung verwendet habe und seitdem ungenutzt bleibt.